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Zukunftsradar Gründungslandschaft Siegen-Wittgenstein

Was sind die Trends der Zukunft? Wie sieht die Gründungslandschaft der Zukunft aus? Wo geht die Reise hin? Hier halten wir Sie mit aktuellen Beiträgen auf dem Laufenden.

Interview mit Wilco van de Burgwal und Dr. Martin Stein

Teil 1

Martin, Du bist studierter Wirtschaftsinformatiker, Geschäftsführer der ZDW Südwestfalen GmbH und Du hast gerade selbst ein Unternehmen im Bereich Digitalisierung gegründet. Für dich scheint Digitalisierung also sehr gut zu funktionieren. Funktioniert das für alle anderen auch?

Martin: Auf jeden Fall. Für mich funktioniert die Digitalisierung durch meinen Hintergrund vielleicht etwas leichter. Aber mit Einrichtungen wie z.B. dem ZDW kann man zusammen sehr gut an der Umsetzung solcher Themen arbeiten. Wichtig ist, dass man sich auf den Bereich konzentriert, in dem man sich am sichersten fühlt. So war es auch bei meiner Gründung.

Wilco, Du hast bereits verschiedene Geschäftsideen erfolgreich umgesetzt und arbeitest schon an einer neuen Idee. Wie erlebst Du es heute zu gründen? Was hat sich in den vergangenen Jahren verändert?

Wilco: Gerade in Siegen ist in den vergangenen Jahren enorm viel in Gang gekommen. Das Thema Gründung bzw. Startups ist in der Region viel populärer geworden. Es nimmt einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft ein. Man merkt deutlich, dass die Region arbeitet, um Unterstützungsangebote für Gründer an den Start zu bringen.

Wird durch die Digitalisierung gründen einfacher oder schwerer?

W: Es eröffnet viele neue Möglichkeiten, um Ideen effektiver auszuarbeiten. Insbesondere in puncto Teamarbeit bieten digitale Tools eine sehr gute Hilfestellung und machen vieles einfacher und übersichtlicher. Es entwickeln sich dadurch auch neue Geschäftsmodelle. Komplette Branchen und Wirtschaftszweige werden transformiert. Es ist vor allem eine Chance.

M: Das glaube ich auch. Aber auch für traditionelle Unternehmen erweitert sich durch die Digitalisierung das Werkzeugset. Sie können neue Lösungen anbieten und neue Geschäftsmodelle entwickeln. Und hier können dann auch neu gegründete Unternehmen hilfreich sein, um z.B. mit alten Arbeitsroutinen zu brechen. Da ist das Thema „Digitalisierung“ ein perfekter Aufhänger.

Müssen demnächst alle Gründer Informatiker sein?

M: Nein, auch wenn ich von Hause aus Informatiker bin. Die technische Lösung ist immer nur die Spitze des Eisbergs. Viel wichtiger sind aber die Experten in den jeweiligen Bereichen, z.B. der Arzt, der Maschinenbediener oder der Meister in einem Betrieb. Der Informatiker sollte nur das neue Werkzeug liefern, um die Kenntnisse noch besser nutzen zu können.

W: Dazu kommt auch, dass an manchen Stellen zu viel digitalisiert wird. Der Informatiker kann vielleicht Lösungen bereitstellen, die der Anwender aber gar nicht unbedingt benötigt. Informatik oder Digitalisierung werden zwar viele Bereiche verändern, aber eben auch nicht alle.

Wird es demnächst Branchen geben, in denen sich Gründung nicht mehr lohnt? Beispiel Handwerk: Gibt es bald nur noch Drohnen und Roboter oder sind dort noch Menschen gefragt?

W: Ich interessiere mich sehr für das Handwerk. Es werden gerade so viele spannende Sachen auf den Weg gebracht. Neue Produktionsmethoden, wie beispielsweise der 3D-Drucker bieten schon heute viele neue Möglichkeiten. Es geht darum, Sachen anders anzugehen. Gerade im Handwerk sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Kreativität lässt sich auch durch Digitalisierung nicht ersetzen.

M: Ehrlich gesagt, wird sich durch die neuen Möglichkeiten jede Branche verändern. Das Handwerk sehe ich als eine der Branchen, die von der Digitalisierung am meisten profitieren können. Wir arbeiten z.B. mit Schreinereien zusammen, mit denen wir Lösungen entwickeln, um das Lager per Smartphone zu optimieren. Es gibt viele günstige und einfache Lösungen, um Sachen digital zu verwalten. Aber es geht auch um die Entwicklung neuer Produkte. Ein schön gestalteter smarter Lautsprecher vom Schreiner sieht doch immer besser aus, als eine 08/15-Lautsprecherbüchse aus dem Silicon Valley.

Welche weiteren Trends im Gründungsbereich erwartet ihr?

W: Natürlich alles, was in irgendeiner Form informatiklastig ist. Auch was man mit künstlicher Intelligenz machen kann, ist wirklich spannend und interessant.

M: Ich kann das nur bestätigen. Das sind aber auch Hype-Themen, die immer dazu führen, dass sich sehr viele Firmen darauf stürzen. Das Gute an diesen Hypes ist, dass daraus für motivierte Gründer viele Möglichkeiten entstehen. Was man nur beachten muss: Es ist eigentlich nie das technologische Konzept, was sich durchsetzt. Was eine Gründung erfolgreich macht, ist die Person dahinter, die sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzt.

W: Gerade wenn Hypes entstehen, zieht das aber auch viele unterschiedliche Branchen mit. Hypes stoßen zum Denken an. Man muss allerdings selektieren, was wirklich sinnvoll ist.

M: Ein Beispiel noch aus der Region: Der JuDo!-Gründerwettbewerb hat gezeigt, dass die Gewinnerin mit einem absolut analogen Produkt gewonnen hat. Die Innovation ist aber die Einbeziehung ihrer Instagram-Community als digitales Werkzeug, um Kundenfeedback zu bekommen.

Das Interview führte Andre Feuerstein.

Hier geht's zu Teil 2...

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Dr. Martin Stein Dr. Martin Stein studierte Wirtschaftsinformatik an der Universität Siegen. Er ist Geschäftsführer der ZDW Südwestfalen GmbH (Zentrum für die Digitalisierung der Wirtschaft Südwestfalen) und Co-Founder der Open.INC UG.  
Wilco van de Burgwal Wilco van de Burgwal ist Co-Founder und Creative Director des Start-ups Lexeo. Dort werden speziell auf Vorlesungen abgestimmte Crashkurse für Studierende der Universität Siegen angeboten. Neben der Umsetzung weiterer Geschäftsideen hat Wilco gerade seine Masterarbeit fertiggestellt.  
Andre Feuerstein Andre Feuerstein ist Vorstandsmitglied von Startpunkt57 und Mitarbeiter der Kreisverwaltung Siegen-Wittgenstein. Er ist zuständig für die Entwicklung von Konzepten zur Unterstützung des Gründungsgeschehens in der Region.  

 

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