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Zukunftsradar Gründungslandschaft Siegen-Wittgenstein

Was sind die Trends der Zukunft? Wie sieht die Gründungslandschaft der Zukunft aus? Wo geht die Reise hin? Hier halten wir Sie mit aktuellen Beiträgen auf dem Laufenden.

Crowdfunding - 6 Fragen an Leonie Schiedek von der Plattform Startnext

Das Crowdfunding ist eine Finanzierungsform, bei der nicht ein Investor eine große Summe gibt, sondern viele Investoren einen Beitrag leisten. Jeder kann zu einem Projekt, das er oder sie gut findet, etwas beisteuern. Im Gegenzug erhält man in materieller oder immaterieller Form ein Dankeschön vom Ideengeber. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, gibt es verschiedene Crowdfundingplattformen über die ein Start-up agieren kann. Dabei gilt die Regel: Das angesetzte Fundingziel muss erreicht werden!

Sechs Fragen an Leonie Schiedeck von der Crowdfunding Plattform Startnext:

Leonie, welche Ideen eigenen sich besonders gut fürs Crowdfunding?

Besonders wichtig ist, dass das Projekt ein ganz klares Ziel hat. Wenn z.B. eine Band ihre CD produzieren lassen möchte. Die kann man dann auch sehr gut als „Dankeschön“ an seine Unterstützer zurückgeben. Außerdem eignen sich besonders gut Projekte, die bereits ein großes Netzwerk, also eine große Crowd an der Hand haben, wie beispielsweise Community Projekte. Dann habt ihr bereits von Anfang an Unterstützer. Es geht nicht darum, Investoren zu finden, sondern ganz normale Leute wie Du und ich von meiner Idee zu begeistern. Je weiter fortgeschritten euer Projekt schon ist, desto besser. Ihr solltet mindestens schon in der Prototypphase sein. Wenn ihr den habt, dann könnt ihr visuelles Material erstellen, Bilder oder Videos und könnt „Dankeschöns“ anbieten, was ohne Produkt nicht so gut ginge. Ihr könnt außerdem viel klarer argumentieren in eurem Storytelling.  

Startnext ist eine „reward-based Plattform“. Gibt es noch andere Formen?

Ja, es gibt verschieden Arten. Reward-based bedeutet, dass für jede finanzielle Unterstützung auch ein sogenanntes Dankeschön, also einen reward, wieder zurückkommt. Das kann in Form von dem bestimmten Produkt sein, aber auch ein immatrielles Dankeschön, wie ein Treffen mit den Startern und Starterinnen. Daneben gibt es z.B. noch spendenbasiertes Crowdfunding, wie z.B. bei „go fund me“ oder „betterplace“. Da bekommen die Unterstützer in der Regel nichts zurück. Außerdem gibt es noch Plattformen, wo man als Crowd in ein Projekt auch wirklich investiert, wie „wiwin“. Da geht es darum Anteile an einem Projekt oder ein Startup zu halten.

Kann ich mein Projekt einfach bei euch einstellen und schauen, was passiert?

Theoretisch kannst du das machen, wir empfehlen es aber nicht. Crowdfunding ist Arbeit vor, während und auch nach dem Projekt. Vorbereitung ist alles, also fangt schon mal an bevor es losgeht euch eine Crowd, eine Community aufzubauen. Erzählt Leuten von eurer Idee und habt dabei keine Angst dass eure Idee kopiert wird. Sammelt diese Community an einem Ort, also entweder unter einem Social Media Kanal oder einem e-Mail Verteiler, so dass ihr sie auch direkt erreichen könnt wenn eure Kampagne startet.  

Ein sehr wichtiger Punkt ist Kommunikation! Definiert vor der Kampagne eure Zielgruppe und wie ihr sie erreicht. Bleibt während der Kampagne am Ball, geht raus und verteilt Flyer, erstellt Social Media Posts, schreibt Leute an, von denen ihr denkt, dass sie in euer Projekt investieren. Haltet auch nach der Kampagne Kontakt zu eurer Crowd. Wenn ihr einen Laden aufmacht, z.B. einen Unverpackt Laden, sind das eure ersten Kunden! Und vielleicht möchtet ihr irgendwann noch mal eine zweite Kampagne launchen und habt dann direkt eine Crowd, die potentiell euer Projekt unterstützt.

Wie viel Zeit muss ich einplanen vom Entschluss „ja ich will mein Startup/Projekt über Crowdfunding finanzieren“ bis zum Ende der Kampagne?

Allein eine Kampagne zu machen ist schwierig. Bau Dir ein Team auf! Teilt euch die Aufgaben auf und schaut, wieviel Zeit ihr gemeinsam in das Projekt investieren könnt. Habt ihr bereits eine große Community ist es natürlich einfacher, als bei null anzufangen. Wir von Startnext empfehlen, die Kampagne zwischen 30 und 45 Tage laufen zu lassen, es geht aber potentiell bis zu 90 Tage. Eine längere Laufzeit bedeutet aber nicht, dass sie dadurch erfolgreicher wird. Wir haben manche Kampagnen, die laufen 1 Woche und gehen durch die Decke, einfach weil die Vorbereitung und die Kommunikation so genau geplant sind dass man in sehr kurzer Zeit sehr viele Menschen mobilisieren kann. Nach der erfolgreich abgeschlossenen Kampagne und Legitimation dauert es ca. 21 Tage bis das Geld auf eurem Konto ist. Wir empfehlen auch erst ab diesem Zeitpunkt die „Dankeschöns“ zu versenden, es kann immer noch zu Stornierungen und Zahlungsproblemen kommen. D.h. ihr müsst nach der Kampagne noch mindestens einen Monat Puffer einbauen. 

Die Kampagne war erfolgreich – welche Kosten und Abgaben kommen auf mich zu?

Eine Kampagne bei Startnext ist erstmal kostenlos. Kosten kommen erst dann auf einen zu, wenn sie erfolgreich beendet worden ist. Das sind zum einen die fixen Transaktionskosten von 4% des Gesamtbetrags, die an unseren Zahlungsdienstleister gehen, der alle finanziellen Modalitäten für uns abwickelt. Zum anderen gibt es noch eine freiwillige Provision an Startnext, über die wir uns finanzieren. Die liegt in der Regel zwischen 3% und 4 %, kann aber von 0% bis 7% vor dem Start in die Finanzierungsphase eingestellt werden. Das wird auch noch von dem Endbetrag abgezogen.

Steuern sind ein sehr wichtiges Thema, über das man sich schon vor der Kampagne unbedingt zusammen mit einem Steuerberater Gedanken machen sollte. Wir bei Startnext dürfen da nicht beraten, da wir keine lizensierten Steuerberater sind, daher holt euch professionelle Unterstützung. Alle Basics zum Thema Steuern findet ihr auch in unserem Blogartikel https://www.startnext.com/blog/Blog-Detailseite/crowdfunding-steuern~ba1255.html. Denkt auch an die Kosten für die Dankeschöns. Nicht nur an die Produktionskosten, auch an die Versandkosten.

Warum Crowdfunding und kein klassischer Bankkredit?

Die Frage wird uns häufig gestellt. Crowdfunding ist nicht nur Geld einsammeln, sondern hat viele weitere Effekte. Als Startup, vielleicht auch kurz vor der Gründung, möchte man natürlich gerne wissen, wie reagiert der Markt auf mein Produkt. Durch Crowdfunding kann man quasi schon eine Art Vorverkauf machen, um zu testen, wie kommt mein Produkt bei der Zielgruppe an. Vielleicht bekommt ihr noch weitere Anregungen, wie ihr euer Projekt oder Produkt verbessern könnt. Ihr baut euch ein großes Netzwerk auf, die Leute teilen eure Idee, interessieren sich für die Produkte und sind dann die ersten Ansprechpartner, wenn es wirklich an den Markt geht. Und ein großer Vorteil ist natürlich, man muss das ganze Geld nicht zurückzahlen! Das einzige was man zurückgibt sind die „Dankeschöns“, die man an seine Unterstützer versendet. So hat man eine sehr unabhängige Finanzierung, keine Investoren, die noch mitreden möchten, z.B. beim Design des Produkts. Das ist ein großer Vorteil.

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